Tourismus, Arbeit, Leben – was bleibt, was kommt nach Corona?

Spätestens seit Darwin wissen wir: Auf die Veränderung(-sbereitschaft) kommt es an. Seit einigen Wochen wird uns diesbezüglich viel abverlangt, ob wir wollen oder nicht. Die Corona-Pandemie hat einerseits technologische Entwicklungen in ungeahnter Weise beschleunigt, andererseits aber auch viele in der Berufswelt, in der Familie und im Privaten mehr als ratlos zurückgelassen. Was bleibt, was kommt, wenn plötzlich und auf absehbare Zeit “alles anders” ist?

Zugegeben, Overtourism ist momentan wirklich kein Thema. Nirgends. Und doch gehört das Thema in einem größeren Kontext auf die Tagesordnung. Können, wollen wir so weitermachen wie bisher? Der Tourismus hat weltweit in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten beeindruckende Wachstumszahlen generiert. Und meist wird, das schreibt die heutige NZZ-Wochenendausgabe sehr treffend, wird schlicht “die auf Spitzenlast ausgerichtete Infrastruktur” weiter ausgebaut – mit den bekannten Konsequenzen. Aber möglicherweise sind inzwischen viele Gäste gedanklich weiter, als so mancher Touristiker? Letztere liegen, das zeigt die ReisePuls-Studie sehr eindrucksvoll, schlicht falsch, was die Einschätzung der Reiselust deutscher UrlauberInnen angeht.

Könnten am Ende neue, nachhaltige touristische Konzepte gewinnen? Stichwort: My home is my castle, oder – ebenfalls neudeutsch – cocooning. Man reist weniger, bewusster und wenn, dann mit mehr Abstand und Vorsicht. Lieber ins Ferienhaus, als ins enge Hotel. Lieber in weniger frequentierte Ecken als in klassische Touristen-Hotspots. Lieber im eigenen Land, als über zig Grenzen, die ruckzuck geschlossen werden könnten. Das heisst auch: “Instagram-ability” ist nicht mehr (nur) die schlagende Währung im Tourismus, dem Vertrauen in eine Destination und seiner Kommunikation wird eine ganz neue Bedeutung zukommen müssen, von einem massiven Technologisierungsschub in der Hotellerie und im Tourismus ganz zu schweigen.

So wird es zwangsläufig ein “Davor” und “Danach” bei Geschäftsreisen und dem Arbeiten unterwegs geben. Gut gefüllte Meilenkonten, Reisestress und mehrere Destinationen pro Woche waren vor Corona sicherlich ein Statussymbol, das vermeintliche Wichtigkeit suggerierte. Und jetzt? Home Office funktioniert, Videokonferenzen sind ohnehin produktiver als so manches Endlos-Meeting, dass unnötige Pendelei wegfällt – umso besser! Hier wurden Fakten geschaffen, die gerne Bestand haben dürfen.

Was dagegen sicherlich nicht zufrieden stellt, ist die Situation der gesamten MICE-Branche. Nein, es genügt nicht, vormals hochwertige Tagungsmessen auf schrille, virtuelle Karibik-Inseln zu verlegen. Und nein, es kann nicht zufrieden stellen, wenn ebenso hochwertiger Content plötzlich verschenkt, verramscht, jedenfalls nicht monetarisiert wird. Es steht zu befürchten, dass so manche Messe und Großveranstaltung zumindest kurz- und mittelfristig nicht zurückkehren wird. Gleichzeitig stehen die Chancen gut, dass neue Work-Life-Konzepte, Coworking, überschaubarere, persönliche Geschäftsbeziehungen auf regionaler Ebene zu einem längst verdienten Aufschwung kommen. Die Zeit ist reif dafür!

Schließlich noch eine ganz persönliche Erkenntnis aus Lockdown-Zeiten: Podcasts und Newsletter, sorgfältig ausgewählt und in überschaubarer Zahl abonniert, habe ich durchaus zu schätzen gelernt:

In Sachen Newsletter geht ein ausdrücklicher Dank an Mark A. Izatt aus London, einem bekannten Marketingstrategen, der mit Mission Critical – “a highly curated briefing” – eine kompakte und interessante Übersicht aktueller Themen einer Woche liefert. Gut lesbar, abwechslungsreich, immer mit eigenen Standpunkten und Einschätzungen garniert. Besonders angetan haben es mir seine Buchrezensionen. Und mit “101 tips to survive and thrive“, seinem ersten Buch, hat er bewiesen, dass er weiss, wie Arbeit heute funktioniert.

Christian Jakubetz und Marion Kuchenny haben mit “Alles Anders” ein wunderbares Hör-Archiv in besonderen Zeiten aufgenommen. In Alles-Anders-Folge 15 von Anfang April bin ich mit einem kurzen Stimmungsbild aus Italien selbst zu hören.

In diesem Sinne: Bleiben wir neugierig!


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