Uwe Nortmann, Head of Training, Flight-Test and Sales bei der Elektra Solar GmbH in Landsberg am Lech verbrachte in diesem Jahr eine Sommerreise der besonderen Art. Tatsächlich als Flugpionier ist er mit einer „Elektra Trainer“ – einem Elektroflugzeug, das seit 2023 als erstes zweisitziges Flugzeug mit rein elektrischem Antriebssystem eine Einzelzulassung besitzt – vom Flughafen Memmingen über die Ostsee und Schweden in den hohen Norden nach Finnland und zurück über das Baltikum nach Kempten geflogen. Unmittelbar nach seinem „North-Circuit 2026“ hatte ich Gelegenheit, mich mit dem Geschäftsführer von Elektra Solar, Calin Gologan, und Uwe Nortmann über seine Reise auszutauschen.
Benjamin Zwack: Was war für Sie der wichtigste Grund bzw. Antrieb, ein zweisitziges Elektroflugzeug zu entwickeln: generell die Herausforderung, ein solches Projekt erfolgreich umzusetzen oder eher das Ziel, Fliegen mit weniger Emissionen, weniger Lärm und niedrigere Kosten möglich zu machen – oder etwas ganz anderes?

Uwe Nortmann: Meine Mitwirkung bei der Entwicklung ist getrieben von der Erkenntnis, dass zukünftiger Flugbetrieb (Luftsport /Ausbildung von Piloten/Luft-Taxis) nur mit klimafreundlichen und flüsterleisen Luftfahrzeugen erfolgen sollte. Außerdem müssen die direkten Betriebskosten deutlich geringer werden, um insbesondere den Nachwuchs an die moderne Technik heranzuführen. Das Erleben und Erlernen der neusten Technologien in der Luftfahrt fördert zudem die Ausbildung Jugendlicher in den MINT-Fächern und deren soziales Verhalten.
Benjamin Zwack: Mit dem North Circuit sind Sie rund 6.000 Kilometer aus Bayern quer durch Nordeuropa geflogen. Wie waren Ihre Eindrücke unterwegs? Was hat Sie besonders gefreut oder überrascht?
Uwe Nortmann: Mir hat besonders die Gastfreundschaft und aufgeschlossene Neugier der Personen auf den besuchten Flugplätzen imponiert. Jeder wollte etwas über das Flugzeug und unsere Mission wissen und bot jede erdenkliche Hilfe an. Meist waren auch lokale Medienvertreter eingeladen und informierten die Allgemeinheit ausführlich über unseren Besuch. Beeindruckend war außerdem die Weite der bewaldeten Flächen/Naturlandschaften und die geringe Bebauungsdichte.
Benjamin Zwack: Welche Erkenntnisse haben Sie auf der Tour über Reichweite, Laden, den Wettereinfluss aufs elektrische Fliegen und generell den täglichen Betrieb gemacht?
Uwe Nortmann: Die Erwartungen bzgl. universeller Lademöglichkeiten wurden bestätigt. Unsere Wahl standardisierter Anschlusspunkte und Ladetechnik wie bei Elektrofahrzeugen hat bestätigt, dass auf den Flugplätzen keine besonderen Infrastrukturvoraussetzungen für kleinere E-Flugzeuge nötig sind, wenn man jeweils erforderliche Adapter und Verbindungskabel mitführt.

Der Wettereinfluss auf elektrische Flugantriebe gleicht dem auf Verbrennungsantriebe, es müssen halt immer VMC zum Flugbetrieb vorliegen. Wind und Regen beeinflussen die Reichweite gleichermaßen.
Sie wird bei beiden außerdem bestimmt von der mitgeführten Energiekapazität, die über die Energiedichte stark durch die verfügbare Zuladung beschränkt ist. Die bessert sich mit unserer neuen Batteriegeneration deutlich.
Benjamin Zwack: Wenn wir zehn Jahre vorausblicken: In welchen Bereichen wird dann elektrisches Fliegen selbstverständlich geworden sein – in der Pilotenausbildung, im Luftsport oder auch auf kurzen regionalen Verbindungen?
Mit Sicherheit in allen angeführten Segmenten. Der enorme Betriebskostenvorteil gegenüber Verbrennern (Energiekosten, Wartungskosten) und die Verbesserung der Batterietechnik (Energiedichte, Temperaturbereich, Ladeleistung) wird die Akzeptanz des elektrischen Fliegens massiv beschleunigen und den Regional-Flugbetrieb zehnsitziger E-Flugzeuge mit ausreichender Reichweite ermöglichen. Die dafür erforderlichen Ladeleistungen an Flugplätzen müssen jedoch noch ausgebaut werden (siehe E-Flugstrecke Bayern).
Vielen Dank an Calin Gologan und Uwe Nortmann für das Gespräch!

Nachtrag: Am Ende der Reise stand fest, dass die Elektra Trainer als elektrisches Ultraleichtflugzeug eine Reihe von Rekorden aufgestellt hat. Uwe Nortmann notierte dazu:
- First Baltic Sea Crossing: From Barth (EDBH) to Eslöv (ESME), covering 215 km.
- Longest Flight in Sweden: From Storvik/Lemstanas to Myran (279 km).
- Kvarken Sea Crossing: Replicated the historic 1918 flight path from Umeå (ESNU) to Vaasa (EFVA) across open sea (123 km).
- Gulf of Finland Crossing: Flown from Pyhtää to Tartu (270 km)
Alle Fotos: Uwe Nortmann / https://electric-airport.eu/north-circuit2026/
