Im Gespräch mit Max Mescher: Die Zukunft der Luftfahrtkommunikation

Max Mescher arbeitet als Konzepter und Social-Media-Manager in einer Marketing- und Kommunikationsagentur. Zuvor war er mehrere Jahre journalistisch im Luftfahrt- und Reisebereich tätig. Mit ihm hatte ich im Rahmen meiner Reihe „Zukunft in Bewegung“ Gelegenheit, über die kommunikativen Herausforderungen in Luftfahrt und Mobilität zu sprechen.

Gerade im Bereich Luftfahrt und Mobilität treffen derzeit starke Meinungen auf wenig Kontext. Was sind Ihrer Meinung nach die großen Herausforderungen, um Luftfahrt gut und umfassend zu kommunizieren?

Eine der größten Herausforderungen ist, dass sich die Debatte häufig entlang zweier verhärteter Fronten bewegt. Dabei verfolgen viele Akteure – Kritik wie Branche – im Kern ähnliche Ziele: eine nachhaltige, sichere und zukunftsfähige Mobilität. Dieser gemeinsame Nenner geht im öffentlichen Diskurs jedoch oft verloren.

Gleichzeitig entsteht bisweilen der Eindruck, dass sich die Luftfahrt kommunikativ „mit sich machen lässt“. Es fehlt an klaren Einordnungen, an Fakten und an selbstbewusstem Gegenhalten, um sichtbar zu machen, was bereits geschieht – technologisch, operativ und regulatorisch. Hinzu kommt, dass politische Rahmenbedingungen die Transformation häufig eher bremsen als unterstützen. Kritik richtet sich daher nicht selten pauschal gegen die Luftfahrt, obwohl politische Entscheidungen und Zielkonflikte hier eine zentrale Rolle spielen.

Natürlich steht die Branche selbst ebenfalls in der Verantwortung. Gerade bei Zukunftsthemen wird häufig zu zurückhaltend, zu fragmentiert oder zu technisch kommuniziert. Das führt dazu, dass die Luftfahrt in der öffentlichen Wahrnehmung ein leichtes Ziel für teils unverhältnismäßige Kritik wird. Was fehlt, ist eine konsequente, verständliche Einordnung komplexer Zusammenhänge.

Ein weiterer Punkt ist die schwache Präsenz der Luftfahrt – insbesondere von Verbänden – in sozialen Medien. Dort treffen viele Meinungen aufeinander, oft ohne fundierten Kontext. Genau hier geht enormes Potenzial verloren, um Debatten frühzeitig zu begleiten und zu versachlichen.

Welche Rolle spielt Storytelling in einem Umfeld, das stark von Sicherheit, Regulierung und Faktenorientierung geprägt ist – und wo liegen dabei die Grenzen?

Gerade weil die Luftfahrt stark von Regulierung, Sicherheitsanforderungen und Fakten geprägt ist, spielt Storytelling eine wichtige Rolle. Es ermöglicht, hinter die Systeme und Prozesse zu schauen und sichtbar zu machen, dass hier Menschen arbeiten – mit hoher Verantwortung, Fachwissen und oft großer Leidenschaft.

Dieses Umfeld ist weniger trocken, als es von außen wirkt. Im Gegenteil: Es bietet zahlreiche spannende Geschichten über Technologie, internationale Zusammenarbeit, Sicherheit und gesellschaftliche Bedeutung. Storytelling kann helfen, diese Komplexität zugänglich zu machen, ohne sie zu vereinfachen.

Die Grenzen liegen dort, wo Beschönigung beginnt. Die Luftfahrt ist ein relevanter Faktor im Kontext von Umwelt- und Klimafragen, und das sollte offen benannt werden. Gleichzeitig braucht es eine sachliche Einordnung: Die Luftfahrt ist Teil des Problems, aber nicht dessen alleinige Ursache – und sie ist Teil der Lösung.

Besonders sensible Themen wie Sicherheit erfordern Zurückhaltung und Verantwortungsbewusstsein. Hier ist weniger Provokation und mehr Sorgfalt gefragt. Zugleich darf Kommunikation durchaus pointiert sein, etwa im Umgang mit pauschaler oder undifferenzierter Kritik. Wichtig ist dabei stets, respektvoll zu bleiben und die Würde aller Beteiligten zu wahren.

Wenn Organisationen in der Luftfahrt „sichtbar, aber nicht laut“ sein wollen: Welche Formate, Plattformen oder Kommunikationsansätze funktionieren Ihrer Erfahrung nach nachhaltig?

Nachhaltige Sichtbarkeit bedeutet zunächst, dort präsent zu sein, wo gesellschaftliche Debatten stattfinden. Neben Plattformen wie LinkedIn oder Instagram gehört dazu inzwischen auch TikTok. Luftfahrt ist ein generationenübergreifendes Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz – entsprechend sollten unterschiedliche Zielgruppen auch auf unterschiedlichen Kanälen erreicht werden.

Der Anspruch, „sichtbar, aber nicht laut“ zu sein, ist dabei besonders spannend. In einer Zeit, in der oft die lautesten Stimmen die größte Aufmerksamkeit bekommen, liegt großes Potenzial in einer ruhigen, sachlichen und einordnenden Kommunikation. Ein solcher Gegenpol kann Vertrauen schaffen und langfristig wirksamer sein als kurzfristige Reichweite.

Formate mit Bewegtbild spielen hierbei weiterhin eine zentrale Rolle. Kurze, gut erklärte Videos eignen sich besonders, um komplexe Themen verständlich zu vermitteln. Dabei darf der Fokus durchaus stärker auf jüngeren Generationen liegen, die sich intensiv mit Zukunftsfragen beschäftigen und die Debatten von morgen prägen werden. Gerade hier kann Luftfahrtkommunikation ansetzen, Orientierung bieten und Zusammenhänge erklären.

Vielen Dank für das Interview!